Windows 11s Wetter-App: Hoher RAM-Verbrauch und Werbung in einem Web-Wrapper
Die integrierte Wetter-App von Windows 11 steht in der Kritik, im Wesentlichen als MSN-Adware getarntes Wetter-Tool zu fungieren. Sie verbraucht etwa fünfmal so viel RAM wie die native Wetter-App von macOS und zeigt gleichzeitig Werbung an—obwohl sie Teil eines Betriebssystems ist, für das die Nutzer bereits bezahlt haben.
Vor kurzem erlebte ich zwei Wochen lang starken Regen. Während mein Telefon aufgeladen wurde, entschied ich mich, die Wetter-App auf meinem PC zu nutzen, um zu sehen, ob der Regen nachlassen würde, bevor ich das Haus verlassen musste. Während der Nutzung der App bemerkte ich, dass der RAM-Verbrauch auf über 1,2 GB anstieg, obwohl ich nicht aktiv klickte oder scrollte. Diese Beobachtung machte ich, während der Task-Manager bereits geöffnet war, um die Leistung der App zu überwachen. Die bereitgestellten Wetterdaten waren zwar genau, aber der Ressourcenverbrauch war unerwartet hoch.

Werbung in einem kostenpflichtigen Betriebssystem
Ein weiterer Aspekt, der auffiel, war die Präsenz von Werbung in der Wetter-App. Es ist erwähnenswert, dass Windows 11 kein kostenloses Betriebssystem ist, sodass die Einbindung von Werbung ungerechtfertigt erscheint. Eine schnelle Suche im MS Store ergab, dass die Standard-Wetter-App tatsächlich als “MSN Weather” gebrandet ist, was die Werbung erklärt. Diese Branding-Entscheidung lässt jedoch die Nutzer an MSs Herangehensweise zweifeln.

MSN Weather: Eine getarnte Web-App
Um fair zu sein, erfordert die Bereitstellung genauer und detaillierter Wettervorhersagen erhebliche Investitionen, da Daten von Unternehmen wie Foreca und dem Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen sowie anderen lizenziert werden müssen. MS nennt diese und andere Quellen für ihre Wetterdaten. Die App selbst bietet eine Reihe von Funktionen, darunter Live-Radar-Overlays, stündliche Wind- und Niederschlagsübersichten, Luftqualitätsindizes, Mondphasen und Warnungen vor extremen Wetterbedingungen.

Dennoch enthält die App auch gesponserte Inhalte. So erscheinen beispielsweise Anzeigen wie die für “Adobe Acrobat” neben visuellen Elementen wie Temperatur- und Winddaten, die ähnlich wie die eigentlichen Wetterinformationen gestaltet sind. Diese Vermischung von Werbung und Inhalten beeinträchtigt das Nutzererlebnis, insbesondere im Vergleich zur Wetter-App von Apple, die ebenso detaillierte Daten ohne Werbung bereitstellt.

Leistung: Native App vs. Web-Wrapper
Eines der auffälligsten Probleme der Wetter-App von Windows 11 ist ihr übermäßiger Speicherverbrauch. Im Leerlauf verbraucht die App mehr als 1,2 GB RAM. Der Task-Manager zeigt den Grund: Die App besteht aus neun separaten Prozessen, die alle auf Chromium basieren. Dies bestätigt, dass die Wetter-App im Wesentlichen ein Web-Wrapper ist, der auf WebView2 basiert und erheblich mehr Ressourcen verbraucht als native Anwendungen.

Im Gegensatz dazu ist die Wetter-App von Apple auf macOS eine vollständig native Anwendung, die nur etwa 246,7 MB RAM verbraucht—fast fünfmal weniger als ihr Pendant auf Windows. Dieser Unterschied unterstreicht die Ineffizienz der Nutzung von Web-Technologien für solche Anwendungen.

MSs Bemühungen um native Apps
In den letzten Updates hat sich MS darauf konzentriert, seine integrierten Anwendungen wie Rechner, Kamera, Uhr, Media Player, Paint, Fotos und Tonrekorder zu verbessern. Auffallend ist jedoch das Fehlen der Wetter-App auf dieser Liste. Derzeit bleibt die Wetter-App ein MSN-gebrandeter Web-Wrapper, und es bleibt abzuwarten, ob sie jemals zu einer vollständig nativen Anwendung wird.
Rudy Huyn, der die Entwicklung nativer Apps bei MS leitet, erklärte Anfang dieses Jahres, dass sich das Unternehmen dem Aufbau vollständig nativer Windows-Apps verpflichtet hat. Es ist jedoch unklar, ob dieses Engagement auch für MSN-gebrandete Apps wie Wetter und MSN News gilt.

Zusätzlich zur Frustration ermutigt die Store-Seite der Wetter-App die Nutzer, sich mit einem MS-Konto anzumelden, um ein besseres Erlebnis zu erhalten. Dies steht im Einklang mit MSs breiterer Strategie, die stärkere Integration seines Kontosystems voranzutreiben, was oft wegen seines obligatorischen Charakters kritisiert wurde.
WinUI: Eine potenzielle Lösung
MS arbeitet aktiv daran, den alten Win32- und WebView2-Code zugunsten von WinUI zu ersetzen. Obwohl das Unternehmen anerkennt, dass selbst native Apps mehr RAM verbrauchen, als sie sollten, bietet der Übergang zu WinUI einen vielversprechenden Weg, die Leistung zu verbessern.

Die neuesten Insider-Updates heben Bemühungen hervor, WebView2 für eine bessere Effizienz zu optimieren. Solche Feinabstimmungen können jedoch nur begrenzt etwas bewirken. Was Windows 11 wirklich braucht, ist ein vollständiger Umbau seiner Standard-Apps, einschließlich der Wetter-App, hin zu WinUI-basierten nativen Anwendungen. Dies würde nicht nur den Speicherverbrauch reduzieren, sondern auch die Notwendigkeit von Werbung eliminieren und insgesamt ein besseres Nutzererlebnis bieten.
Es gibt bereits einen bedeutenden Vorstoß, Windows 11 schneller zu machen und Werbung im gesamten Betriebssystem zu reduzieren. Eine vollständig native, werbefreie Wetter-App, die mit WinUI erstellt wurde, könnte als überzeugendes Beispiel für Drittentwickler dienen, die derzeit auf Web-Wrapper-Apps für Windows setzen.
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